@jontyson
Designer entwickeln für ihre Kunden Marken mit Haltung. Und der eigene Auftritt? Oft eine zurückhaltende Wortmarke, gedeckte Farben, ein cleanes Layout, das erstaunlich wenig verrät. Sauber, aber austauschbar.
Das ist kein Zufall. Die eigene Marke zu entwickeln ist eine der schwierigsten Aufgaben im Beruf. Warum das so ist und wie man sie trotzdem gut löst, zeigt dieser Beitrag.
Kunde und Dienstleister zugleich
Bei der eigenen Markenidentität schreibst du das Briefing selbst, entwickelst die Entwürfe selbst und nimmst sie am Ende selbst ab. Niemand widerspricht, niemand fragt nach. Und jede Entscheidung fühlt sich persönlich an, weil sie es ist.
Dazu kommen die üblichen Bremsen: Kundenprojekte haben immer Vorrang, also bleibt für das eigene Branding selten Zeit. Manche halten den Auftritt bewusst neutral, damit die Projekte im Mittelpunkt stehen. Andere scheuen die Festlegung, weil sie sich nicht auf eine Richtung reduzieren wollen.
Viele Zielgruppen, ein Auftritt
Der eigene Auftritt muss mehr leisten als ein Kundenprojekt, weil er mehrere Zielgruppen gleichzeitig anspricht: bestehende Kunden, die sich bestätigt fühlen sollen, potenzielle Kunden, die erst überzeugt werden müssen, die Designcommunity, die genau hinschaut, und vielleicht künftige Mitarbeitende oder Kooperationspartner. Das erklärt, warum viele am Ende zu einer neutralen Lösung greifen, die niemanden stört. Sie überzeugt aber auch niemanden.
Zurückhaltung ist keine Strategie
Ein neutraler Auftritt wirkt sicher, aber er sagt nichts. Und gerade für ein Designstudio ist der eigene Auftritt das erste Arbeitsbeispiel. Wer Branding anbietet, zeigt am eigenen Erscheinungsbild, wie er denkt, entscheidet und gestaltet.
Zurückhaltung ist dann gut, wenn sie eine Entscheidung ist. Wenn sie nur aus Unsicherheit entsteht, kostet sie Wiedererkennung.
Der Auftritt als Schaufenster
Zeig im eigenen Branding, was du anbietest. Wer Verpackungen gestaltet, kann das im eigenen Auftritt zeigen. Wer Motion Design macht, darf die Website bewegen. Wer auf Printdesign setzt, kann Visitenkarten mit besonderer Veredelung produzieren. Der Auftritt ist die Visitenkarte und das Arbeitsbeispiel zugleich. Das macht ihn zum besten Kommunikationsmittel, das du hast, und er kostet keinen Cent Werbebudget.
Erst die Strategie, dann das Design
Der häufigste Fehler beim Selbstbranding: Man beginnt mit dem Logo. Dabei gilt für die eigene Marke dasselbe wie für jedes Kundenprojekt, die Strategie kommt zuerst. Zum Beispiel diese Fragen:
Für wen arbeite ich, und für wen ausdrücklich nicht?
Welche Leistungen sollen im Vordergrund stehen?
Welche Stärke nennt mein Umfeld ständig, die ich selbst kaum erwähne?
Wohin soll sich das Studio entwickeln, und wie soll der Auftritt das zeigen?
Wer das schriftlich beantwortet, hat ein Briefing, das er sich selbst auch vorlegen würde.
Distanz schaffen
Die größte Schwierigkeit ist die emotionale Nähe. Hilfreich sind drei Dinge:
Zeit. Entwürfe liegen lassen, nicht am selben Tag entscheiden. Mit etwas Abstand sieht man schnell, was trägt und was nur gefällt.
Feedback von außen. Nicht nur von anderen Designern, sondern auch von Menschen aus der Zielgruppe. Sie sehen, was beim Betrachter wirklich ankommt.
Eine Deadline. Perfektionismus ist der natürliche Feind des eigenen Auftritts. Eine Marke ist nie fertig, sie darf wachsen. Auch meine eigene Marke hat sich in den 13 Jahren stark verändert – allein das Logo ist so geblieben, wie es war.
Wann externe Hilfe sinnvoll ist
Es ist keine Schwäche, die eigene Marke extern entwickeln zu lassen. Es lohnt sich, wenn die Zeit fehlt, wenn mehrere Inhaber unterschiedliche Vorstellungen haben oder wenn man merkt, dass man sich im Kreis dreht. Ein Blick von außen erkennt oft Stärken, die man selbst nicht mehr wahrnimmt.
Dann gilt dasselbe wie bei jedem Kundenverhältnis: ein klares Briefing, Vertrauen in den Prozess und die Bereitschaft, ein Stück Kontrolle abzugeben.
Ein Projekt zum Ausprobieren
Das Schöne an der eigenen Marke: Es gibt keinen Kunden, der ein Risiko scheut. Hier darfst du Neues testen, eine ungewöhnliche Farbwelt, eine eigenwillige Typografie, ein Format, das du für Kunden noch nie vorgeschlagen hast. Du lernst dabei technisch und gestalterisch mehr als in manchem Auftrag. Und wenn etwas nicht funktioniert, passt du es an. Auch Marken dürfen sich weiterentwickeln.
Fazit
Die eigene Marke ist das ehrlichste Stück im Portfolio. Ob laut oder leise, entscheidend ist, dass der Auftritt eine bewusste Entscheidung ist und kein Zufall. Er soll zeigen, wofür du stehst und was du kannst.
Du willst deine Marke schärfen?
Ob Designstudio, Selbstständige oder Start-up: Ich bin Grafikdesigner aus Hilden bei Düsseldorf und entwickle Markenauftritte, die auf einem klaren Gedanken aufbauen, von der Namensfindung über das Logodesign bis zum Corporate Design. Wenn dein Auftritt nicht mehr zu dem passt, was du leistest, schreib mir.